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„Niemand ist fort, den man liebt.
Liebe ist ewige Gegenwart.”
(Stefan Zweig)

Trauerschmaus

Das Fest als kulturelle Universalie

Fest im menschlichen Zusammenleben bedeuten ein Ereignis, wiederholbar oder - in Form der Totenmahls -  auch einmalig weil letztmalig.

Feste feiern bedeute gleichzeitig Drang zum Wechselspiel, um gewohnte Alltäglichkeit in Besonderheit umzuformen und kommt damit dem Konzept des Rituals recht nahe. 

In nahezu allen Epochen und Kulturen zeigen sich Basis-Strukturen menschlichen Kommunikationsverhaltens durch dabeisein, miterleben, sich auszutauschen.

Gemeinsamkeit schafft Kraft und gleichzeitig Identität über das individuelle Bewusstsein hinaus. Deswegen werden in traditionellen Gesellschaften die wesentlichen Wendezeiten im menschlichen Leben durch besondere Übergangsriten markiert und damit sichtbare Zeichen nach außen gesetzt: Signal für die Umwelt und Wandlung für das eignen Ich.

Festessen sind im Rahmen solcher Lebenszyklen fix eingeplant, dies betrifft auch denn allerletzten Übergang, den Tod. Dabei hat der/die Verstorbenen noch einmal die Möglichkeit am Gemeinschaftsmahl teilzunehmen und wird gleichzeitig zum „Gast“ aus einer anderen Welt. In vielen Kulturen besteht noch immer eine enge Verbundenheit zu den Verstorbenen mit der Chance, die Lebenden von Zeit zu Zeit besuchen zu können. Feste sind daher nie als einseitig ausgerichtet zu verstehen, vielmehr entsprechen sie dem Konzept eines respektvollen Austausches zwischen Geben und Wiedererhalten (Reziprozität). Das Fest wird so für den Einzelnen und die kollektive Gesellschaft zum Erfahrungspotential mit überwältigender Bedeutung: Ein allgemein menschliches Bedürfnis, das kulturspezifisch befriedigt werden muss.

Essen und Trinken für die Toten lässt sich an Gebräuchen bis in frühchristliche Epochen zurückverfolgen, ist anfangs auch weniger als Gastmahl zu interpretieren, da stand das Opfer der Toten, deren Seele man als anwesend dachte, weit mehr im Vordergrund. Schließlich sollte das gemeinsame Fest die Bindung über den Tod hinaus besiegeln und gleichzeitig lassen sich Reste einer Frucht vor der Wiederkehr der Totenseele in der Vorstellung des „Wiedergängers“ nachvollziehen.

Traurig-fröhlicher Leichenschmaus

Unter den vielen Bezeichnungen für Speis und Trank nach einem Begräbnis hat sich vor allem der Symbolbegriff „Leichenschmaus“ durchgesetzt. Territorial recht unterschiedlich gehalten, finden sich im deutschsprachigem Raum Namen wie Leichenmahl / Leichentrunk, Leichenzehrung, Seelmahl, Leidessen, Trauermahlzeit, Tränenbrot, Tröster … bis hin zum simplen Beerdigungskaffee. Der in Südtirol verwendetet Begriff von „Totenhochzeit“ mag vielleicht daher rühren, das beim fidelen Mahl nur an der schwarzen Kleidung erkennbar war, nicht auf einer Hochzeit gelandet zu sein.

Im Leichenschmaus drückt sich auch Dank und Verpflichtung für erhaltene Hilfe aus, dadurch wird das Motiv des Gemeinschaftlichen bestärkt. Die Betroffenen fühlen sich nicht alleine gelassen (vgl. Geteiltes Leid ist halben Leid), soziale Bindungen werden gefestigt und signalisiert Wertschätzung, um ein fehlendes Glied in der familiären Kette zu ersetzen: Erster Ansatzpunkt in Richtung Trauerbewältigung, um den Tod zu akzeptieren, ihn zu verstehen und zurückzufinden in die profane Welt des Lebensalltags.

Im Gegensatz zur eher formellen Trauerfeier kommt es im zwanglosen Rahmen des Leichschmauses zum Austausch von Erinnerungen an den Verstorbenen. Das Erzählen von Geschichten und Anekdoten in einer oft aufkommenden Heiterkeit bis emotionalen Ausgelassenheit verdrängt einerseits die schmerzvolle Zeit vor dem Tode und lässt den Verstorbenen gleichzeitig anteilnehmen am Geschehen. Nicht selten wurde für ihn ein Sitzplatz freigehalten und er erhielt ein eigenes Gedeck.

Der Leichenschmaus hat aber auch eine rein funktionelle Komponente. So musste die teils von weither angereiste Verwandtschaft mit Speis und Trank versorgt werden. Eine deftige Mahlzeit durfte da nicht fehlen und die Sargträger erhielten bereits ein Totenfrühstück mit Sterz und Kaiserschmarren, um für den langen Gang zum Grab bei Kräften zu bleiben.

Leichenschmaus süß-sauer

Je nach Aufwand und finanzieller Kapazität der Begräbnisse spannt sich der Bogen vom mehrgängigen Mahl bis hin zum schlichten Nur-Getränk mit einem kargen Stückchen Brot.

Als überragend österreichischer Klassiker – und dies gilt besonders für die „Schöne Leich“ in Wien – punktete gekochtes Rindfleisch mit Semmelkren.

Im weiteren Angebot stehen dann Schweinsbraten mit Knödel, Kümmelbraten mit Kren, Senf und Gurkerl, Fleischsuppe mit Nudeln, Saure Rahmsuppe mit Rindfleisch, Bratwurst und Sauerkraut oder die extragroße „Konduktsemmel“ (Kondukt steht für Leichenzug) mit Anisgeschmack. Neben antialkoholischen Getränken haben sich Wein (rot) und Bier etabliert und die wichtigen „Herztropfen“ für den schweren Abschied – das klare Schnapserl – dürfen meist auch nicht fehlen.

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